Tracht & Tradition

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Lena Hoschek

So kennt man Bayern weltweit: ein Bundesland, in dem Brauchtum gelebt, Traditionen gepflegt werden.

Die Landwirte in Bayern sind stolz auf ihre über Jahre gewachsene Lebensart. Trotzdem gehen sie eigene Wege, schlagen immer wieder die Brücke zwischen früher und heute, zwischen Alt und Neu. Bayerisches Brauchtum – das bedeutet: Jede Generation interpretiert die Dinge auf ihre Weise, aber ohne dass der Ursprung verloren geht. Der Freistaat ist weltweit bekannt für seine unverfälschten regionalen Eigenheiten, die die Einheimischen lieben und mit Hingabe bewahren.

Hier bleiben Traditionen lebendig, weil jede Generation sie neu auslegt. Auch bayerische Landwirtsfamilien meistern es, ihre Höfe seit immer wieder erfolgreich voneiner Generation an die nächste zu übergeben. Dabei schaffen sie den Spagat zwischen der Bewahrung der Tradition und der Weiterentwicklung der Betriebe.

Fendt-Catalogue-S54Gestern und heute harmonisch vereint: Dieses Prinzip lässt sich vielleicht am besten am Beispiel der bayerischen Tracht erklären. Ihre Ursprünge hat sie im Alltag: Die lederne Hose hielt im Wald und in den Bergen einfach sehr viel aus; das Knie blieb frei, der Unterschenkel aber dank der gestrickten Wadenstutzen warm. Da beim Klettern im Gebirge ein Gürtel ein Sicherheitsrisiko gewesen wäre, hielten Träger die Hose. Der Lodenstoff wärmte und war wetterfest. Gamsbart oder Birkenhahnfeder am Hut berichteten ebenso vom Jagderfolg wie die Hirschhornknöpfe an Janker und Hose.

Das Dirndl wiederum sollte mit der Auswahl des Stoffes, des Miederschmucks und der Knöpfe ohne viele Worte erzählen von Wohlstand und Besitz. Und die Schleife an der Schürze – je nachdem, ob links oder rechts gebunden – verrät bis heute, ob die Trägerin ledig oder verheiratet ist.

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War die Lederhose anfangs noch schlicht die getragene Kleidung der bäuerlichen Bevölkerung, entwickelte sich im 19. Jahrhundert am bayerischen Hof, aber auch in Wien, eine Begeisterung für diese rustikale Art der Kleidung. 1853 empfahl die königliche Regierung von Oberbayern die Bewahrung der Landestrachten zur „Hebung des Nationalgefühls“.

1883 gründete Josef Vogl, Lehrer in Bayrischzell, den ersten „Gebirgstrachten- Erhaltungsverein“, ein Jahr später folgte die „Gesellschaft Gemüthlichkeit“ in Miesbach, aus der später der erste Trachtenverein Miesbach entstand. 1890 wurde in Bad Feilnbach der Gauverband I als erste Dachorganisation der Trachtenvereine ins Leben gerufen. Gerne trug damals der österreichische Kaiser Franz Joseph I. bei der Jagd eine kurze Hirschlederne – bei größerer Kälte mit langer Unterhose.

Meyhome / pixelio
Meyhome / pixelio

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Münchner Hackerkeller 1925 die „Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes“, heute Bayerischer Trachtenverband e.V.“, aus der Taufe gehoben. 19.000 Mitglieder zählte die Vereinigung damals bereits.

Im Zweiten Weltkrieg dann bemächtigten sich die Nationalsozialisten der Trachtenvereine und formten sie um in Trachtengemeinschaften. Die Tracht sollte nun nicht mehr für bayerisches, sondern großdeutsches Heimatgefühl stehen und den Nationalstolz stärken. Nach Kriegsende und Wiederzulassung der Trachtenvereine gab es davon noch knapp 500.

Und heute? Bündelt der Bayerische Trachtenverband etwa 850 Vereine und zählt mehr als 165.000 Mitglieder. Trachten gab und gibt es selbstverständlich nicht nur in Bayern, doch wohl in keinem anderen Bundesland ist sie so beliebt wie hierzulande. Auf dem Land wie in der Stadt hat man einfach eine Lederhose, ein Dirndl – oder auch mal zwei, drei verschiedene. Der Ausdruck „Laptop und Lederhose“ – geprägt übrigens von Roman Herzog, nicht von Edmund Stoiber – steht für die typisch bayerische Verbindung zwischen Tradition und Fortschritt.

Lena Hoschek
Lena Hoschek

Neben der traditionellen Volkstracht haben Jagd- und Wanderbekleidung die Tracht beeinflusst und immer wieder neue Impulse gesetzt; die sogenannte Landhausmode hat sich als „Seitenzweig“ fest etabliert. Wir tragen das Dirndl, die Lederhose heute zu besonderen Anlässen, zu kirchlichen Feiertagen und natürlich immer wieder, wenn es aufs Oktoberfest geht. Tracht ist heute immer auch Ausdruck der gelebten Identität, der Liebe zu Bayern. Und unabhängig von allen Moden bis auf Weiteres einfach: schön.

 

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