Hinter der Hecke

Die Heckenwirtschaften in Franken.

(c)www.bayern.by - Peter von Felbert
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Es gehört zum guten Ton, dass man zusammenrutscht und sich dazusetzt. Wenn dann noch ein paar Gäste dazukommen, findet der Wirt auch für sie irgendwie noch einen Platz. So kommen garantiert alle schnell miteinander ins Gespräch.

Heckenwirtschaften haben eine lange Tradition. Erzeuger dürfen dort zeitlich begrenzt, meist für zwei bis vier Wochen, ihre eigenen Weine ausschenken. In der Region Churfranken im Spessart-Mainland – zwischen Großostheim im Norden und Bürgstadt im Süden – ist dieses Recht schon im 16. Jahrhundert schriftlich bezeugt.

DIE MEISTE ZEIT DES JAHRES WIRD SICH UM DAS WOHL DER WEINBERGE UND DES WEINS GEKÜMMERT.

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Früher haben die Winzer für die kurze Zeit des Weinausschanks auch schon mal das Schlafzimmer, die Garage oder den Dachboden leergeräumt. Inzwischen haben die meisten von ihnen eine gastronomische Vollkonzession. Wenn sie wollten, dürften sie das ganze Jahr über für ihre Gäste öffnen. Tatsächlich machen das aber die wenigsten. Schließlich sind sie in erster Linie Weinbauern und kümmern sich die meiste Zeit des Jahres vor allem um das Wohl der Weinberge und des Weins. Am besten schmeckt der Wein nach einer Wanderung durch Franken: Durch die Terrassenwein lagen und Weinberge gehen viele Wege. Sie dienen von jeher der Bewirtschaftung der Weinfelder und werden heute für Ausflüge gern genutzt. Besonders beliebt: der Fränkische Rotwein-Wanderweg, der über sechs Tage und 70 Kilometer am Main entlangführt.
Faszinierende Umgebung, kurze Etappen und genügend Einkehrmöglichkeiten. – Fast rund ums Jahr sind Genusswanderer das eine oder andere Stück auf dem Rotwein-Wanderweg unterwegs.

NICHT SELTEN BLEIBT MAN NOCH EIN STÜNDCHEN LÄNGER SITZEN.

Zum Verkosten öffnen die Winzer jedes Ortes übrigens reihum ihre Heckenwirtschaften. Wer genau gerade für einige Tage oder Wochen die vorbeikommenden Gäste bewirtet, erfahren Sie hier.

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Nicht selten, dass man dann doch noch ein Stündchen länger sitzen bleibt in den gemütlichen Innenhöfen und hinter der Hecke des Winzers. Heckenwirtschaften sind charakteristisch für das fränkische Weinland. Dass der Weinausschank behördlich geregelt wurde, lässt sich sogar bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals war der heimliche Ausschank von Wein verboten und geschah im Verborgenen oder eben „hinter der Hecke“.

Winzerin Teresa Deufel, Lindau Foto ©Bayern.by-Gert Krautbauer
Winzerin Teresa Deufel, Lindau
Foto ©Bayern.by-Gert Krautbauer

Auch alle bekannten Genussführer schwärmen von der hohen Qualität der Weine aus der Region Churfranken im Spessart-Mainland. Bemerkenswert ist allein schon, dass hier – anders als in den übrigen Regionen Frankens – vor allem Rotwein angebaut wird. Seinen Grund hat das in den zerklüfteten Buntsandsteinböden, die schon visuell so viel hermachen. Die wahren Werte der fränkischen Böden liegen in ihrem Inneren: Die Wurzeln der Rebstöcke können leicht in den Boden eindringen und die feine Mineralität aufnehmen, sodass auch Spätburgunder höchster Güte heranreifen.

WEINE VON HÖCHSTER, PRÄMIERTER QUALITÄT UND TROTZDEM GANZ BODENSTÄNDIG.

So gibt es in der Heckenwirtschaft neben guten Schoppenweinen auch offene Weine von höchster, prämierter Qualität, die mit Wein-Guide-Eintragungen beim Feinschmecker oder beim Gault Millau geadelt werden. Trotzdem sind viele Heckenwirtschaften bis heute ganz bodenständig geblieben.

Text: www.bayern.by

(c)www.bayern.by - Peter von Felbert
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